2017
Erneuerbare Energien

Welche Herausforderung hat den Anstoß zu diesem Projekt gegeben?

Den Anstoß zum Windpark von Awel Co-op hat die mangelnde Finanzierung für lokale Gemeinschaftsprojekte gegeben. Wir hatten beobachtet, dass viele wichtige lokale Projekte für regenerative Energien sich ständig neu um finanzielle Förderung bewerben mussten und daher keine solide finanzielle Grundlage hatten. Wir wollten daher mit dem Windpark ein gewinnbringendes Projekt auf die Beine stellen, das eine nachhaltige Finanzierungsquelle für diese kommunalen Projekte bieten würde.

Wir haben uns dabei für ein Windenergie-Projekt entschieden, da wir auch die Herausforderungen angehen wollten, die der Klimawandel und der Übergang zu einer Wirtschaft mit geringeren CO2-Emissionen bereithalten. Die Region, in der sich der Windpark befindet, hat früher vom Kohleabbau gelebt. Seit der Bergbau in der Region zurückgefahren wurde, sind hier schwierige Zeiten angebrochen. Die Menschen waren daher zum einen begeistert von dem Konzept eines Windparks in kommunalem Besitz, der allen zugutekommt, zum anderen aber auch davon, die Wirtschaftstätigkeit in der Region von fossilen Brennstoffen zu entkoppeln und auf nachhaltige Energien umzustellen.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Da die lokale Gemeinschaft nur über ein geringes Durchschnittseinkommen verfügt, war es schwierig, die finanziellen Mittel zusammenzubekommen, die für Durchführbarkeitsstudien, Planungsarbeit und Baumaßnahmen erforderlich waren, bevor die Windkraftanlagen erstmals Energie produzieren konnten. Wir haben daher beschlossen, das Projekt als Genossenschaft aufzuziehen, um sicherzustellen, dass jeder sich einbezogen und verantwortlich fühlt. Ein paar Windkraftanlagen aufzustellen bedeutet viel harte Arbeit, ich würde aber nicht sagen, dass es besonders innovativ ist. Die Innovation bestand in unserem Fall darin, dass wir die Begeisterung über den Bau des Windparks und die Beteiligung an dem Genossenschaftsprojekt werbewirksam genutzt haben, um das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken.

Welche Bedeutung hatte die Triodos Bank für Ihr Projekt?

Tatsache ist, dass es den Windpark ohne die Triodos Bank nicht geben würde. Das Projekt hat ein Volumen von 8,25 Mio. GBP, und der Kredit der Triodos Bank macht 5,25 Mio. GBP davon aus. Die Triodos Bank ist also ein wichtiger Teil dieses Projekts. Noch wichtiger war jedoch, dass die Finanzierung durch die Triodos Bank den Menschen Vertrauen in das Projekt gegeben hat. Da wir von einer unabhängigen Stelle gründlich überprüft worden waren, waren mehr Menschen bereit, sich an unserem Anteilsangebot zu beteiligen. So sind bereits 2,5 Mio. GBP zusammengekommen.

Neben der finanziellen Unterstützung haben wir von der Triodos Bank im Laufe der Jahre im Rahmen der Projektentwicklung unzählige wertvolle Tipps erhalten. Die Triodos Bank hat uns Ratschläge zu Planung und Durchführung gegeben, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, und uns beraten, was wir tun müssen, um Finanzmittel einzuwerben. Erst vor Kurzem hat uns die Triodos Bank bei Werbemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit in der Region unterstützt, und ich habe viele positive Rückmeldungen von Menschen bekommen, die den Changemakers-Film von Triodos über die Awel Co-op gesehen hatten.

Welche Wirkung hat Ihr Projekt für den Sektor?

Gemessen am Sektor für erneuerbare Energien als Ganzes ist unser Projekt vergleichsweise klein, in Bezug auf die Größe kommunaler Projekte in Wales hatte es jedoch Signalwirkung. Unseres ist das bei Weitem größte kommunale Projekt in Wales und hat angesichts der Größe unseres Beteiligungsangebots und des Finanzierungsumfangs der Triodos Bank viel Interesse geweckt. Ich denke, es hat den Menschen das Potenzial von kommunalen Projekten im Bereich erneuerbare Energien vor Augen geführt. Wir stehen sogar in Kontakt mit zahlreichen Mitgliedern der Nationalversammlung von Wales, die gesehen haben, was wir auf die Beine gestellt haben, und gerne mehr solcher Projekte sehen würden. Anfang dieses Jahres wurde mir aufgrund der Signalwirkung unseres Projekts und wegen seiner allgemeinen Auswirkungen auf den kommunalen Energiesektor in Wales im Rahmen der New Year’s Honours List der Titel Mitglied des Ordens des Britischen Empire (MBE) verliehen. Indirekt führt all dies zu einem Umdenken in der Politik, kommunale Energieprojekte zu unterstützen und die gemeinsame Verantwortlichkeit von Kommunen und gewerblichen Entwicklern zu fördern.

Welche Wirkung hat Ihr Projekt für die Menschen vor Ort?

Eines unserer Ziele besteht darin, die Menschen vor Ort stärker zu involvieren und an dem Projekt zu beteiligen. Darum spenden wir Anteile im Wert von insgesamt 100.000 GBP an lokale Schulen und kommunale Einrichtungen, um diesen einen nachhaltigen Mittelzufluss zu verschaffen. Wir haben bereits Anteile an einzelne Schulklassen ausgegeben und sie zu einer Besichtigung des Windparks eingeladen. Dies hat sich als hervorragende Methode erwiesen, die Bevölkerung stärker einzubinden. Wenn den Kindern klar wird, dass ihnen die Windkraftanlagen gehören, ist das sehr inspirierend für sie.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit Ihrer Vision identifizieren?

In der Eingangshalle der Triodos-Geschäftsstelle in Bristol befindet sich ein Wandgemälde, das zeigt, dass wir die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen – sei es das Projekt oder Gelder im Allgemeinen – nutzen können, um die Bedürfnisse von heute zu befriedigen, ohne dabei kommende Generationen in ihren Möglichkeiten einzuschränken, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Genau das wollen wir erreichen. Es erinnert zudem an den walisischen Future Generations Act, eines der ersten unabhängigen Gesetze der Regierung von Wales. Die gemeinsame Verpflichtung zu nachhaltiger Entwicklung bildet das Herz unserer Beziehung zur Triodos Bank und lässt uns gemeinsam mit der Bank zuversichtlich in die Zukunft blicken.