Fallbeispiele

2016

Bina Artha
 

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Indonesien hat mit das höchste Niveau an finanzieller Exklusion in Asien. Etwa 50% der Bevölkerung hat keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen wie Sparkonten oder Kleinkredite. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Menschen.

Als Finanzinstitut möchte Bina Artha dieses Problem angehen. Und möchte dabei mehr tun, als nur Kredite für unternehmerische Aktivitäten bereitzustellen. Ein Beispiel ist der von Bina Artha vergebene Sanitärkredit. 40% der Bevölkerung von 100 Millionen Menschen in Indonesien haben nach wie vor keinen Zugang zu angemessenen sanitären Anlagen, einfach weil sie es sich nicht leisten können. Infolgedessen nutzen viele provisorische Einrichtungen, wo immer sie diese finden können.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Bina Artha bietet seit Kurzem einen Sanitärkredit für den Kauf einer im Haus befindlichen Toilette an. Neben der reinen Bereitstellung von Mitteln helfen sie Kreditnehmern auch, ein Geschäft aufzubauen, um den Kredit zurückzahlen zu können und letztlich ihre langfristigen Lebensbedingungen weiter verbessern zu können.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf das Geschäft?

Die vom Triodos Fair Share Fund und Triodos Microfinance Fund bereitgestellten Kredite unterstützen Bina Artha dabei, seinen Wirkungskreis zu vergrößern. Die Kredite werden in Landeswährung vergeben, sodass Bina Artha kein Währungsrisiko eingehen muss. Dank dieser Kredite konnte Bina Artha seinen Kundenkreis über ein Netzwerk von 227 Niederlassungen auf 226.000 Personen erweitern. 99% seiner Kunden sind Frauen. 50% der bedienten Haushalte leben unterhalb der Armutsgrenze von 2 USD pro Tag.

Die Gebiete, in denen das Unternehmen aktiv ist, sind über ganz Java verteilt, mit Schwerpunkt auf ländlichen Gegenden. Geplant ist, auch in andere Teile Indonesiens zu expandieren.

Welchen Einfluss hatte Ihr Geschäft auf den Sektor, in dem Sie tätig sind?

Das Ziel von Bina Artha besteht in der Bereitstellung spezieller Finanzdienstleistungen an die wirtschaftlich aktive, vorwiegend weibliche Bevölkerung mit niedrigem Einkommen auf faire, transparente, effiziente und nachhaltige Weise. Dadurch nimmt Bina Artha eine zentrale Rolle im Finanzsektor Indonesiens ein.

Welchen Einfluss hatte das Geschäft auf die direkte Umgebung?

Bina Artha ist vorwiegend in ländlichen Gebieten aktiv, in denen etwa 70% seiner Kunden leben. Diese Gebiete sind geprägt von einer sehr großen, unerfüllten Nachfrage nach grundlegenden Finanzdienstleistungen und -produkten. Das Institut ist in den Gemeinden, in denen es tätig ist, gut verwurzelt und alle Mitarbeiter werden lokal angeworben. Neue Produkte werden mit einem ausgeprägten Sinn für die Bedürfnisse der Kunden entwickelt, wie der jüngst aufgelegte Kredit für Sanitäranlagen zeigt.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Triodos Bank arbeitet über ihre Inclusive Finance-Fonds seit 2013 mit Bina Artha zusammen. Die Triodos Bank hat die gleiche Vision wie Bina Artha: die Steigerung der finanziellen Inklusion im Land sowie die Einbeziehung all jener, die bislang ausgeschlossen waren.

Beide Unternehmen wissen um die Bedeutung der Entwicklung eines Best Practice-Modells für Mikrofinanzinstitute, das zur Entwicklung eines inklusiven Finanzsektors beiträgt. Denn Unternehmen wie diese sind wichtige Triebfedern für eine langfristige nachhaltige Entwicklung.

2015

Dawn
 

Mikrofinanzierung – Fallbeispiel (photo)

Hannes Manndorff, Director von Dawn Myanmar

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Als Accion vor etwa zweieinhalb Jahren nach einer Investmentmöglichkeit in Myanmar suchte, hatten weniger als 20% der Bevölkerung Zugang zu regulären Finanzdienstleistungen und es gab in dem Land sehr wenige Mikrofinanzinstitute. Zwar befand sich Myanmar in einem Prozess des politischen und wirtschaftlichen Reformprozesses, es war jedoch noch immer das drittärmste Land Asiens. Der große und bis dahin ungenutzte Markt für Mikrofinanzierungen in Verbindung mit geringen Kapazitäten, schwacher Infrastruktur und einem äußerst unsicheren regulatorischen Umfeld stellten sowohl eine Gelegenheit als auch eine Herausforderung dar, die wir bereit waren anzugehen.

Welche Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Accion schloss sich mit Triodos Investment Management und FMO zusammen, zwei Instituten, mit denen wir bereits seit langem erfolgreich zusammenarbeiten, um auf das landesweit einzige MFI zu bieten, das zum Verkauf stand: Dawn Microfinance von Save the Children. Nachdem wir den Zuschlag erhalten hatten, übertrug das Konsortium erfolgreich und ohne größere Unterbrechungen für Kunden oder Mitarbeiter das Geschäft einschließlich aller Mitarbeiter und Vermögenswerte von Save the Children auf eine neue gewinnorientierte Organisation. Der Kauf und die Übertragung stellten einen enormen Vorteil gegenüber der vollständigen Neugründung einer solchen Organisation dar, was die einzige Alternative gewesen wäre, um hochwertige Finanzdienstleistungen für alle Menschen ohne Versorgung durch Banken in Myanmar bieten zu können. Die institutionelle Umwandlung eines Programmes, das zuvor zu Save the Children gehörte, zu einem eigenständigen, gewinnorientierten Mikrofinanzunternehmen mit Zulassung durch die Zentralbank, stellte in Myanmar zu dieser Zeit einen wahren Meilenstein dar.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Triodos Investment Management, FMO und Accion haben sich zu einer Zeit, als in Myanmar noch immer große politische, wirtschaftliche und regulatorische Unsicherheit herrschte, zusammengetan, um ein junges MFI zu übernehmen. Die Geschlossenheit und das Engagement aller drei Investoren, DAWN zu einem führenden Best Practice-MFI zu machen, haben Save the Children davon überzeugt, das Unternehmen an das Konsortium zu verkaufen. Sowohl Triodos als auch FMO haben sich mit viel Erfahrung und Glaubwürdigkeit in das Geschäft eingebracht, weshalb die Aufsichtsbehörden eher geneigt waren, die notwendigen Genehmigungen und Zulassungen für die Transaktion zu erteilen. Triodos hat zudem durch ihre Beteiligung auf Ebene der Unternehmensführung von DAWN mit Femke Bos, Fondsmanagerin des Triodos Microfinance Fund, als äußerst engagiertes Mitglied des Verwaltungsrates und Vorsitzende des Prüfungsausschusses einen großen Beitrag geleistet. Zudem konnte DAWN bereits von den weitreichenden Beziehungen profitieren, über die Triodos in der Region verfügt, beispielsweise durch einen Vor-Ort-Besuch bei einem der führenden MFIs in Kambodscha, durch den das Unternehmen sich mit Best Practices in der Unternehmensführung, im Management und im Geschäftsbetrieb vertraut machen konnte.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor?

Seit der Übernahme von DAWN durch das Konsortium im März 2015 hat sich der Einzugsbereich in Bezug auf die Zahl der aktiven betreuten Kunden auf 54.000 verdoppelt. Das Investorenkonsortium bemüht sich zudem darum, die Entwicklung des Sektors zu beeinflussen, indem es führendes Beispiel für qualitativ hochwertige Mikrofinanzierung in Myanmar wird und aktiv mit den Aufsichtsbehörden und der breiteren Gemeinschaft im Bereich der finanziellen Inklusion in Kontakt tritt.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Durch das Investment von Triodos Investment Management, FMO und Accion konnte DAWN seine Dienstleistungen rasch auf neue Gebiete ausdehnen und kann tausende Kunden betreuen, die bisher ohne Bankversorgung waren. Seit der Übernahme konnten die Kunden zudem von vereinheitlichten Produkten, kürzeren Bearbeitungszeiten und geringeren Gebühren profitieren. Die Investoren und DAWN sind bestrebt, das Produktangebot weiter auszubauen und zu erweitern, die Erfahrung für die Kunden zu verbessern und innerhalb der nächsten vier Jahre die Kundenbasis auf mindestens 200.000 aktive Kunden zu erhöhen.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Seit Anbeginn der Zusammenarbeit haben Triodos Investment Management, FMO und Accion dieselbe Vision für Myanmar und DAWN verfolgt, nämlich DAWN als Instrument zu nutzen, um die finanzielle Inklusion des Landes zu fördern, ein Vorbild-MFI für Best Practices zu entwickeln, einen Beitrag zur Entwicklung des Finanzsektors zu leisten und auf lange Sicht sowohl eine finanzielle als auch eine soziale Rendite zu erzielen.