Fallbeispiel

Fortech – Wase Wind
 

Erneuerbare Energien – Fallbeispiel (photo)

Chris Derde, Manager bei Fortech

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Ende des letzten Jahrhunderts entwickelte sich in Dänemark und Deutschland im Bereich erneuerbare Energien der Sektor Windenergie. Technologische Entwicklungen haben Windenergie zu einer attraktiven Option für die Stromgewinnung gemacht.

Wir wollten in unserer eigenen Region, dem Waasland in Belgien, damit beginnen, Windenergie zu erzeugen. Wir, vier Freunde aus Kindertagen, begannen die Wase Wind-Genossenschaft, indem wir uns Wege für die Finanzierung der Windkraftanlagen erschlossen haben, und zwar aus eigenen Mitteln als auch mit Hilfe so vieler anderer Menschen wie möglich. Das bedeutet auch, dass wir für das Geld dieser Menschen verantwortlich sind.

Wir stellen daher sicher, dass unser Unternehmen finanziell gut aufgestellt ist, müssen jedoch keine übermäßigen Gewinne erwirtschaften. Eine angemessene Verwaltung des investierten Geldes sowie die Fortsetzung unserer Pionierarbeit – das sind unsere wichtigsten Aufgaben, um unser Ziel zu erreichen: die Produktion von zu 100% erneuerbaren Energien.

Welche Strategie wurde zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Im Jahr 2000 wollten wir mit einer kleinen Gruppe von Menschen ein Unternehmen für erneuerbare Energien auf die Beine stellen. Seit Jahren waren Unternehmenszusammenschlüsse und Übernahmen in der Energiebranche vorherrschend und die Branche befand sich in der Hand großer Konzerne. Sowohl unsere Unternehmensform als auch unsere Technologien waren neu. Unsere Unternehmensstruktur trennt „Fortech“ von „Wase Wind“, wodurch wir die Risiken für die Beteiligten reduzieren und rentable Windenergie produzieren können.

Wir haben zudem die effizientesten Windkraftanlagen ausgewählt, die bei Inbetriebnahme die größten und stärksten in den Benelux-Ländern waren und mit hochmoderner Technologie ausgestattet sind.

Seit wir Wase Wind ins Leben gerufen haben, hat sich das Unternehmen zu einer Genossenschaft von 2.000 Menschen entwickelt, die gemeinsam in Windenergie aus ihrer eigenen Region investieren. Die Windenergie wird von diesen Genossenschaftsmitgliedern zuhause, in ihren lokalen Unternehmen und in kommunalen Einrichtungen wie Sportzentren und Rathäusern genutzt.

Jeder Kunde ist an dem Investment beteiligt und die Gewinne werden ebenfalls unter allen Beteiligten aufgeteilt. Windenergie stößt manchmal auf Widerstand, da die Menschen sich Sorgen über die Optik der Windanlagen, den Schattenwurf der Rotoren oder den erzeugten Lärm machen. Unsere Nachbarn sind jedoch unsere größten Unterstützer, da wir mit ihnen in engem Kontakt stehen und uns direkt um die Beseitigung von Unannehmlichkeiten kümmern. Wir organisieren beispielsweise Feste, zu denen jeder eingeladen ist, und heißen jedes Jahr 750 Schüler aus den umliegenden Schulen bei uns willkommen.

Welchen Einfluss hatte die Triodos Bank auf das Unternehmen?

Als wir 2004 die notwendigen Genehmigungen für unser erstes Windkraftprojekt erhielten und mit dessen Umsetzung begannen, schreckten die traditionellen Großbanken vor einer Finanzierung unseres Projekts zurück. Sie kannten sich mit dem Windenergiesektor nicht aus. Die Triodos Bank hingegen schon, und so übernahm sie die Finanzierung unseres Projekts zu angemessenen Konditionen.

Die Triodos Bank leistete zudem einen Beitrag mit ihrem Wissen zu Aspekten wie Herstellergarantien, was sich später noch als dringend notwendig erweisen sollte. Die Triodos Bank war daher entscheidend für den Startschuss unserer Projekte und ist seither unser Partner in allen weiteren Projekten, obwohl inzwischen auch andere Banken bereitstehen, um zukünftige Projekte zu finanzieren.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf den Sektor?

Als Vorreiter im belgischen Windenergiesektor spielen wir eine wichtige Rolle in der Organisation des flämischen Sektors für nachhaltige Energien ODE (Organisatie Duurzame Energie) und haben auf dieser Basis die flämische Vereinigung für Windenergie (Vlaamse Wind Energie Associatie, VWEA) gegründet.

Es hat nicht lange gedauert, bis sich uns alle in Flandern tätigen Windenergieunternehmen angeschlossen hatten und wir gemeinsame Initiativen mit Kollegen in der Wallonie auf die Beine stellten. Inzwischen ist VWEA wegen der erstklassigen Beratung in Arbeitsgruppen die „Stimme“ des Windenergiesektors und wird als solche auch von der Regierung anerkannt. Durch sorgfältige und wohlüberlegte Absprachen innerhalb des Sektors und mit der Regierung konnten die Regulierungen für Windenergie schrittweise weiterentwickelt werden, damit die nötigen Garantien sowohl für die Energieunternehmen als auch für ihre Abnehmer gegeben sind.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Seit 2005 produzieren drei Windkraftanlagen am Rande einer Autobahn in Kruibeke, Belgien, Strom aus Windenergie. Der produzierte Strom reicht aus, um den Haushaltsverbrauch der 15.000 Einwohner im Raum Kruibeke zur Hälfte zu decken.

Das Unternehmen hat zudem das Windenergieprojekt „Braemland II“ auf der anderen Seite der Autobahn E17 in Melsele entwickelt. Diese Anlage produziert seit 2009 umweltfreundlichen Strom für 2.300 Familien. Die cvba (Genossenschaft) Wase Wind bietet diesen Strom für Familien, landwirtschaftliche Betriebe und andere Unternehmen im Waasland an.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision des Projekts identifizieren?

Die Triodos Bank hat genau wie Wase Wind eine klare, langfristige Vision zum Thema Windenergie. Neben dem Ausbau der Kapazitäten nachhaltiger Energiequellen ist es wichtig, in ein widerstandsfähigeres, sozial verankertes und ausgewogenes Energiesystem zu investieren. Neue Technologien, wie die Verknüpfung mehrerer lokaler Anbieter, tragen zur Schaffung kurzer, effizienter und dezentraler Lieferketten bei.

Dieser Effekt wird durch die lokale Verankerung in Städten, Unternehmen und Gemeinden, die den erzeugten Strom nutzen, noch zusätzlich verstärkt. Bei nachhaltigen Modellen wie dem von Wase Wind geht es um mehr als nur die Umwelt – es geht auch um das Wohlergehen der Gesellschaft im weiteren Sinne.